braun

braun
Jemanden braun und blau schlagen (gebräuchlicher ist jedoch: ›Jemanden grün und blau schlagen‹): ihn durchprügeln, bis seine Haut farbig wird, vgl. niederländisch ›Hij is bont en blaauw geslagen‹.
   Das Braun des Biers und des Kaffees ist in den folgenden Wendungen gemeint: schwäbisch ›den Braunen laufen lassen‹, gerne ein braunes Bier trinken; obersächsisch ›die braune Stunde‹, die Nachmittagsstunde, in der Kaffee getrunken wird.
   Braun gilt als die Farbe der Natur. Etymologisch ist sie von der Bezeichnung eines braunen Tieres herzuleiten, vom Bär, der im Tierepos »Braun« (Brûno, Brûne) heißt. Braun ist aber auch die Symbolfarbe der Mutter Erde und steht – auf die Frau übertragen – als Sexualmetapher für die weibliche Scham (Vulva). Als erotische Symbolfarbe begegnet sie häufig im Volkslied in der Wendung ›Braunes (schwarzbraunes) Mägdelein‹. Vgl. französisch ›une brune‹: ein braunes Mädchen.
   Es handelt sich dabei nicht nur um eine soziale Klassifikation, sondern um eine sexualpsychologische Wertung. Die Formel vom ›schwarzbraunen Mägdelein‹ taucht im Volkslied erst im 16. Jahrhundert auf. In dieser Zeit löst der dunkelhaarige Mädchentyp das ältere, ausschließlich blonde Schönheitsideal des hohen Mittelalters ab.
   Während das blonde Schönheitsideal auf die adligen Damen und Herzoginnen beschränkt bleibt, ist das schwarzbraune Mädchen in der Regel bürgerlicher oder bäuerlicher Herkunft. Auch beim Mann ist ›braun‹ ein Zeichen für niedere Herkunft, wie aus einem Kindergedicht hervorgeht:
   Willst du so nach Junkern schaun
   und des Fischersohns vergessen?
   Freilich ist er arm und braun.
Von diesem übertragenen Sinn ist in den neuzeitlichen Redensarten wenig erhalten geblieben. Sie beziehen sich vielmehr real auf die braune Farbe einer Sache.
   Seit der Nazizeit gilt ›braun‹ als Bezeichnung nationalsozialistischer Gesinnung, vom Braun der SA- Uniformen hergeleitet.
• H. SCHEWE: Artikel ›Braun‹, in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens I, Spalte 1518-1521; O. LAUFFER: Farbensymbolik im Deutscher Volksbrauch (Hamburg 1948), S. 48-49; W. KOCH: Farbnamen, in: Muttersprache (1959), S. 11; L. RÖHRICH: Gebärde, Metapher, Parodie (Düsseldorf 1967), S. 72 ff.; W. DANCKERT: Symbol, Metapher, Allegorie im Lied der Völker, Band I (Bonn-Bad Godesberg 1976), S. 405-411.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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