schmieren

schmieren
Es geht wie geschmiert: es geht vortrefflich, ohne Stockungen. Obersächsisch sagt man: ›jemand liest wie geschmiert‹, also mühelos, ohne Anstoß und ohne steckenzubleiben. Die Redensart leitet sich vom Schmieren des Wagenrades ab.
   Dagegen stammt die Redensart Einen schmieren: ihn bestechen, wohl eher von dem Einreiben der Hände mit Salbe her. Bei Sebastian Franck (I, 79b) sind ›schmieren‹ und ›salben‹ getrennt, doch beide in gleicher übertragener Bedeutung verwendet: »Die habend beide den Richter bestochen vnnd die hend gesalbet; also gadts, waer baß schmirwet, der fart dest baß«. Was unter der Salbe zu verstehen war, erklärt Freidank in seiner ›Bescheidenheit‹ (147, 17):
   pfennincsalbe wunder tuot,
   sie weichet manegen herten muot.
In Ottokars österreichischer ›Reimchronik‹ wird sogar von einer »Handsalbe« berichtet, die »vierzic tusent marc« betrug. Johannes Pauli rät 1546 in seinem Schwankbuch ›Schimpf und Ernst‹ (S. 20) geradezu: »Ir solten einmal dem Richter die Hend schmieren oder salben«. Grimmelshausen benennt diese ›Salbe‹ sehr treffend in seinem ›Simplicissimus‹ (II, 80), wo es heißt: »Durch was vor Schmiralia ich die Medicos persuadiren wolte«, und an anderer Stelle (III, 407): »daß beydes, der, so geschmiret und die, so des Schmiral angenommen, ihren Theil bekämen«. Vgl. hierzu auch das Sprichwort ›Schmieren und salben hilft allenthalben‹. Die Redensart Ich will ihm was schmieren heißt: ich will ihm etwas extra geben; schon Grimmelshausen (›Springinsfeld‹) gebrauchte sie im Sinne von Trinkgeld, Bestechung, wenn er erzählt: »Er schmierte mir sechs Reichsthaler«.
   Ein weit verbreitetes Sprichwort, das auch von Abraham a Sancta Clara zitiert wird, war: ›Wer schmiert, der fährt‹. Die niederdeutsche Variante spricht den Zusammenhang mit den gut geschmierten Wagenrädern direkt an: ›Wagenrööd un Afkaten mööt goot smeert warrn‹.
   In Quellen des 17. und 18. Jahrhunderts, aber auch schon im Eulenspiegel-Volksbuch taucht oft der Schwank von dem Bauern auf, der das Schmieren wörtlich nimmt und dem Richter oder Advokaten die Hände mit Schmalz oder Butter einreibt, worauf die Frau des Gesalbten noch ein Stück Leinwand zum Abwischen verlangt.
   Er hat gut geschmiert: er ist betrunken. Ähnlich Sich die Kehle schmieren (ölen): eins trinken; ostpreußisch sagt man dafür: ›He smêrt sik den Rache‹.
   Einem etwas in den Mund (ins Maul) schmieren: ihm vorher nahelegen, was er zu sagen hat.
   Einem Honig ums Maul schmieren: ihm schmeicheln; Abbildung Federlesen.
   Einem eine schmieren: ihn schlagen, ihm eine Ohrfeige geben (vgl. hierzu: ›Schmiere geben, kriegen‹, Schmiere). Im Rheinland droht man Kindern eine Züchtigung mit den Worten an: ›Warte nur, du wirst gleich abgeschmiert!‹
   Einem den Buckel schmieren heißt ebenfalls: eine Tracht Prügel geben. Auch die Redensart ›einem Jackenfett geben‹ steht mit der Vorstellung des Schmierens in Zusammenhang.
   Die Wendung Seine Schuhe mit Hasenfett schmieren: sich drücken, sich schnell davonmachen, verrät etwas vom alten Glauben, daß Teile eines Gegenstandes oder eines Tieres besondere Kräfte und Fähigkeiten auf den Menschen übertragen können: die Schnelligkeit des Hasen soll durch sein Fett auf die Schuhe und damit auf den Menschen einwirken, damit dieser rascher fliehen kann. Vgl. auch niederländisch ›zijn schoenen met hazevet smeren‹.
   Jemanden anschmieren hat die allgemeine Bedeutung von betrügen, wird aber speziell dann angewendet, wenn ein Mädchen ein Kind erwartet und deshalb von ihrem Liebhaber verlassen wird (›Er hat sie angeschmiert‹).
• L. SCHMIDT: Sprichwörter deutscher Redensarten, in: Österreichische Zeitschrift für Volkskun-
de 77 (1974), S. 119; E. MOSER-RATH: Artikel ›Bestechung‹, in: Enzyklopädie des Märchens II (1979), Spalte 209-214; DIES.: Lustige Gesellschaft (Stuttgart 1984), S. 185-186.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • schmieren — V. (Mittelstufe) etw. mit Schmiere versehen Synonyme: einschmieren, ölen Beispiel: Er hat die Achsen des Wagens mit Öl geschmiert. schmieren V. (Mittelstufe) etw. auf etw. streichen Synonyme: beschmieren, bestreichen Beispiel: Er hat ein bisschen …   Extremes Deutsch

  • schmieren — »mit Fett bestreichen; einfetten«: Das altgerm. Verb (mhd. smir‹we›n, ahd. smirwen, niederl. smeren, engl. to smear, schwed. smörja) ist eine Ableitung von dem altgerm. Substantiv nhd. mdal. ↑ Schmer »Fett« . Vgl. auch Schmirgel. – Die… …   Das Herkunftswörterbuch

  • schmieren — bestechen; korrumpieren; herumkrakeln (umgangssprachlich); hinschmieren (umgangssprachlich); herumkritzeln (umgangssprachlich); kritzeln; herumschmieren (umgangssprachl …   Universal-Lexikon

  • Schmieren — 1. Dat will k di s mêren1, seggt de Potlapper, mîn Mûl mit Speck un Fett, un dîn Hals mit Ohrfîgen. – Kern, 504. 1) Absichtlich statt sweren. Eine ähnliche Verwechselung findet in dem Schiffersprichwort statt: Gott ver d übbel (verdopple statt… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

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